Libanon 2006

Im Juli 2006 war ich in Beirut/Libanon. Leider genau dann, als der letzte israelisch-libanesische Krieg ausbrach.

Als „Westler“ war meine letzte Hoffnung, dass „meine“ Botschaft eventuell helfen kann.

Die deutsche Botschaft:

  • Das Telefon war entweder besetzt oder es ging niemand dran.
  • Nach 100en Versuchen erbarmte sich eine Dame und ging dran. Sie wusste auch nicht was am besten zu tun sei, aber ihre Tochter sei selbst erst am Tag vor Ausbruch des Krieges angekommen… Ich war mir nicht sicher ob ich mit Botschaftspersonal spreche welches für Krisenfälle geschult ist, oder mit jemandem aus der Sesamstrasse…
  • Immerhin wurden meine Kontaktdaten aufgenommen, man melde sich sobald die Botschaft genaueres weiss.
  • Verwandte in Deutschland riefen das „Auswärtige Amt“ an. Dort passierte das selbe: Kontaktdaten aufgenommen, man melde sich…
  • Jede weitere Anfrage ergab immer das selbe: „Wir rufen an, sobald wir etwas wissen“. Auch nach mehreren Tagen konnten die Mitarbeiter nie bestätigen, dass man auf einer Liste steht welche dann auch irgendwie abgearbeitet wird. Der Grund: Die Liste wurde auf einem Blatt Papier geführt, welches die Mitarbeiter nicht „mal eben“ hätten durchsuchen können.
  • Es hat sich effektiv nie jemand gemeldet. Nicht bei mir, nicht bei den Verwandten in Deutschland.
  • Seither vermute ich, dass dies der Auslöser für den später vom Auswärtigen Amt eingeführten >>Elefand<< war/ist?!

Die belgische Botschaft:

  • Erster Anruf bei der belgischen Botschaft, zackige Ansage: „Wir organisieren gerade eine Evakuierung. Wir rufen Sie zurück, sobald wir wissen wie es im Detail ablaufen wird. Geben Sie uns Ihre Daten, damit wir Sie erreichen können.“
  • Verwandte in Belgien rufen das „centre de crise“ in Brüssel an. Nur durch den Familiennamen sah der Angestellte in Brüssel meine Daten, welche ich erst 5 Minunten vorher dem Botschaftsmitarbeiter in Beirut gab. „Wir brauchen Ihre Daten nur einmal, wir tun was wir können und melden uns“
  • 24 Stunden später Rückruf: Wir evakuieren morgen um 07h00 ab Hamra Street. Wenn Sie dort erscheinen nehmen wir Sie mit.
  • 10 MInuten später werden meine Verwandten in Belgien auf denselben Stand gebracht. Zusätzlich wird ihnen gesagt, dass sie informiert werden sobald der Konvoi die Grenze zum „sicheren“ Syrien überschreitet.
  • Genauso kam es dann auch: Das „centre de crise“ rief 30 Minuten nachdem unser Bus die Grenze nach Syrien überschritt bei den Verwandten zu Hause an. „Ihre Lieben sind jetzt im sicheren Syrien, wir lassen sie nochmals wissen, sobald Damaskus erreicht ist“. Welche Beruhigung für die Daheimgebliebenen!

Der Buskonvoi selbst:

Einige europäische Botschaften haben den Konvoi organisiert, um ihre Bürger zu evakuieren. Alle waren Abfahrbereit, ausser der deutsche Bus. Wegen irgendeinem Gesetz musste jeder Deutsche vor Ort EUR 50 bezahlen, damit dem Staat keine Kosten für die Evakuierung entstehen. Eine Grossfamilie hatte nichts dabei, weil (vorgeblich) ihr Haus am Vortag zerbombt wurde. Ob Ausrede oder nicht, sie haben nicht bezahlt, und das Drama ging von 07h00 bis 11h30. Dann haben Angestellte der anderen Botschaften eingegriffen: „Schaut mal, wir sind alle Abfahrbereit. Wenn Ihr ein technisches Problem mit dem Bus hättet, würden wir´s ja verstehen. Aber wegen Bürokratie in so einer prekären Lage abzuwarten, machen wir nicht mehr mit. Wir fahren jetzt, und wir hoffen dass ihr mitkommt…“ Plötzlich ging´s dann los.

„Service“ in Damascus

Wie ich später herausfand, war die deutsche Botschaft so nett „seine“ Bürger am Flughafen in Damaskus rauszulassen.

Alle Flüge und Hotels waren ausgebucht, so mussten dann einige Glückliche auf dem Flughafenparkplatz übernachten.

Der belgische Botschafter in Damaskus kannte den lokalen Pfarrer einer Kirche, und bat ihn die Kirche in eine temporäre Bleibe zu verwandeln. So landete ein zusammengewürfelter Haufen Belgier in der Kirche, bis jeder einen Flug oder eine andere Unterkunft gefunden hatte. Bei der entsprechenden Suche hat die Botschaft auch noch geholfen.

Zu guter Letzt wollte ich den deutschen Behörden noch mitteilen, dass ich keine Hilfe mehr brauche, weil ich den Libanon bereits verlassen habe. Da man mich auf der Papierliste nicht finden konnte (so habe ich das überhaupt rausgefunden;)), konnte man mich auch nicht streichen. Gehört habe ich trotzdem nie wieder etwas.